Sonntag, 29. April 2012

Medienspiegel


Presse


INKA, 15.04.12








BNN, 18.04.12



Der Kurier, 20.04.12


Die Rheinpfalz, 30.04.12

Anmerkung: Wir haben natürlich keine Daten auf Facebook veröffentlicht. Wäre auch leicht paradox, gell?


Radio

Junger Kulturkanal

SWR 1

SWR 3

SWR 4

Die neue Welle

 

WEB / TV

Das Ding

Spannen erlaubt- Karlsruherinnen im Schaufenster

Kavantgar.de

 

 regenbogen.de

 

ka-city.de

 

Samstag, 28. April 2012

Finale

Das Happening


Es folgt eine wahre Bilderflut: Die Dokumentation unseres letzten Abends im Schaufenster. Das Finale!

Hier bereiten das Happening gegen die Vorratsdatenspeicherung vor.
Zwei Grazien
 Alle gesammelten Daten werden vernichtet. Unsere gesamte Arbeit der Ausstellungswoche wird von uns zerstört. Anfangs zögerten wir noch. Doch bald stellte sich ein Gefühl von Euphorie ein. Endlich wieder frei von den Beschränkungen dieses Lebens im Schaufenster!

Hier versucht Nora noch fein säuberlich das Papier unserer Twitterwand vom Untergrund zu trennen, -noch! Denn kurz darauf schmeißt sie das Messer weg und reißt das Papier wild von der Wand.
Nora zerstört die Twitterwand.






Spaß!

Wenn Facebook auch eine solche Freude an Datenvernichtung hätte....


Das Besucher-Netzwerk wird entfernt.


Die Zeugnisse der Besucher.


Lisa entfernt die Zuckerberg-Anklage.


Die Gültigkeit der AGB ist nun aufgehoben.

  



Alle stehen bereit.


Los geht`s!!!




Jackson Pollock R.I.P.













Datenmüll




Wir feiern...









Tag 7

Guten Tag Karlsruhe!!!

Wehmütig wird man schon bei dem Gedanken, dass dies unser letzter gläserne Morgen ist.
Wir sind zusammengewachsen und eine gute Gruppe geworden. Der gefürchtete Lagerkoller hat sich nicht eingestellt. Alles friedlich, peace and happiness everywhere.


Wie man hier deutlich erkennen kann geht es Nora nicht so gut. Auch Catina klagt über den Kater der unaufhörlich an ihrer Schädeldecke herumkratzt und miaut.

Nach russischer Tradition wird gratuliert.
Und hier sieht man den Grund für diverse Lähmungserscheinungen an dem heutigen Tag: Julians Geburtstag am gestrigen Abend. :)












Sommer in der Südstadt

Wer gestern in den Nachrichten den Wetterbericht gehört, gelesen, oder gesehen hat dachte vielleicht: Ja klar. Denkste!
Nun haben wir den Salat. Es sind gefühlte 35°C und der Eisverkäufer in der Südstadt hat Probleme mit der Nachlieferung der begehrten, kalten Creme.
Die Menschen haben gute Laune, alle lächeln, ziehen meist mit einem solchen an uns vorüber. Obwohl so viele Menschen durch die Straße wuseln bekommen wir recht wenig besuch. Sie wollen wohl eher den Sommer als eine Ausstellung besichtigen. Verständlich. Wir freuen uns auf die Datenvernichtung heute Abend. Wahrscheinlich werden auch viele zufällig Vorüberkommende die Kunstaktion mitbekommen und stehen bleiben. Ich bingespannt....


Freitag, 27. April 2012

Tag 6

Mensch, liebe Leute. Was für ein Morgen!
Um halb zehn kam ich in das Atelier und fand Janina beim Frühstück vor. Wir begannen langsam unseren Tag mit dem Aufräumen der Spuren des letzten Abends.
Bei lauter Musik des Spatzen, von Paris die die gesamte Marienstraße beschallte, putzte ich unsere "Wohnung", klopfte den Teppich und fegte den Bürgersteig.

...bis Frieda kam.
Frieda hatte von unserem Projekt auf SWR4 gehört, zwischen 6 und 7 Uhr wurde der Beitrag über uns ausgestrahlt. Aus Marxzell stammend machte sie sich auf den Weg zu uns. Sie brachte Blumen und ein Stück Kuchen mit.


Frieda sagte, sie wolle uns ihre Daten geben und so tat sie auch.

Sie ist 1938 geboren. Am längsten Fluss Europas. Mit einem Jahr kam sie nach Alma Ata, dem damaligen. Das ist die "Apfelstadt". Sie hat, seit dem sie hier in Deutschland lebt, erst fünf Äpfel gegessen, die so schmecken wie die in Alma Ata. Das muss man sich vorstellen ! Vier, fünf Äpfel -in achtzehn Jahren! Früher hieß Alma Ata Verni, aber dann hat man sie umbenannt. Alma Ata wurde oft umbenannt, je nachdem wer gerade an der Macht war, gab ihr einfach einen neuen Namen.
1990 kam Nasarbajew an die Macht und heute heißt Alma Ata Almaty. Hier baute er seine Hauptstadt auf. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen, er war noch ärmlicher als Frieda gewesen. Er war Sozialist, wie alle aus ärmlichen Verhältnissen Kommenden erst einmal Sozialisten sind. Dann stieg er immer weiter auf. Je höher er stieg, desto weniger war er Sozialist. So ist das eben.

Dann kam das Angebot. Frieda hat ihre Kinder gefragt, ob sie nach Deutschland reisen wollen. Reisen für immer. Sie waren ja biologisch Deutsch, also konnte man nach Deutschland kommen. Da es keinen Schmand und keinen Kuchen für die Kinder gab, sagte die Tochter "Ja" und Frieda sagte, so wird es gemacht.

Frieda war Lehrerin gewesen, damals. Auch an der Universität, zur Vertretung, sieben Jahre lang. Sprechen liebt sie und zuhören. Sie liebt es solche Augen zu sehen. Das ist ein vergnügen.Das ist schon beruflich. Augen die hören und lieben und funkeln.

Mit den Erinnerungen ist es nicht mehr so gut. Darum schreibt sie manches auf. Das Gedicht hat sie uns erzählt:

Friedas Gedicht mit Englisch

Halt! Stopp! Ich fühle mich gemobt!
Dein Niveau und mein Niveau.
Und du, Loser, willst mit mir Winner kommunizieren!
Geht das noch?
Abstand! Abstand!


Frieda ist von ihrem Klassikkonzert zurückgekommen. Sie ist nun aktiver Bestandteil unserer Ausstellung.

Sie fragt: Was hat Adenauer mit ihrem Land gemacht?
              Wenn ich ihnen das erzählt habe ist es genug, denn vom Sprechen wird man nicht klug.

So sitzt sie hier, auf unserer Couch, mit Frieder und einer Frau aus der Straßenbahn. Uwe ist auch gekommen. Er liest Zeitung.

Nun ist es 15:30 und Janina liest die Zueignung aus "Undine" von F. de la Motte Fouqué. Frieda rezitiert Die Loreley von Heine und das Röslein, dass von dem Knaben gebrochen wird. Wir haben ein stilles Einvernehmen gefunden und empfinden Sympathie füreinander. Frieda ist eine Bereicherung und sie versucht es immer mehr zu sein, indem sie ein russisches Lied für uns singt.

Der Abend

Am Abend durften wir unseren Dozenten Herr Rolf Fluhrer in unserer Ausstellung begrüßen. Er wollte kein Besucherprofil ausfüllen, schade. Lisa hat ihn mit den Worten "Ja, wir wollen hier schon ne 1,0!" auf unseren Ehrgeiz aufmerksam gemacht. Er bestätigte, dass wir eine äußerst engagierte Arbeit geleistet haben und gab der geforderten Zensur statt.

Außerdem konnten wir unsere Dozentin Chris Gerbing begrüßen. Sie veranstatet das Seminar "Kulturmanagement" am KIT.








Donnerstag, 26. April 2012

Übrigens...das sind wir: Auf einen Blick mit Meinung.



„Ich bin Lisa-Marie, studiere Kunstgeschichte und bin seit 2007 Mitglied bei Facebook. Seitdem ich weiß, dass Facebook mit einem Gesichtsscanner arbeitet, mache ich mir Sorgen, dass Bilder von mir in unangenehmen Situationen auftauchen könnten.“





„Ich heiße Catina Hof, studiere Kunstgeschichte und bin seit 2010 Mitglied bei Facebook. Facebook ist für mich eine Plattform um in Kontakt mit Freunden aus aller Welt zu bleiben. Obwohl ich so wenig persönliche Dinge wie möglich von mir preisgebe, habe ich das Gefühl  des kontrolliert seins.“





„Ich bin Sophia Paucke, Pädagogikstudentin und seit 2008 Mitglied bei Facebook. Profile von Neugeborenen und Hochzeits-Liveübertragungen irritieren mich.“






„Ich bin Miriam Reif und studiere Europäische Kultur- und Ideengeschichte. Schon die gesammelten und gespeicherten Daten in der Hand eines Staates stimmen mich nachdenklich. Ein Grund für mich an der Initiative gegen die Vorratsdatenspeicherung teilzunehmen. Die totale Abtretung der Rechte über die eigenen Daten an milliardenschwere Privatunternehmen ist für mich nicht zu akzeptieren. Für mich kommt ein Facebook-Profil aus diesem Grund nicht in Frage.“



„Ich bin Nora Benterbusch, Kunstgeschichte-Studentin und versuche noch weitestgehend mit Menschen auf persönlicher Ebene zu kommunizieren, statt sie mit sinnlosen Kurztexten zu bombardieren und in einer digitalen Welt zu leben.“ 





„Ich bin Janina Stein, studiere Germanistik und bin u.a. seit 2009 Mitglied bei Facebook. Sehr schockiert hat mich dabei die Tatsache, dass die Herausgabe meiner Daten gar nicht nur in meinen Händen liegt. Wenn meine Freunde z.B. ihr Smartphone mit Facebook synchronisieren und meine Kontaktdaten darin gespeichert sind, dann werden sie automatisch an Facebook geschickt. Auch, wenn ich gar kein Nutzer davon bin. Nun fragt euch selbst: wie viele Personen haben eure Kontaktdaten in ihrem Handy gespeichert?"





Tag 5

Puh! Was für eine Nacht! Irgendwelche Idioten haben so gegen ein Uhr andauernd an die Scheibe geklopft. Sie dachten sie wären witzig. Vielleicht haben wir dieses Verhalten auch dadürch provoziert, in dem wir innerhalb des ersten Radiointerviews sagten, dass uns ein solches Verhalten gar nicht stören würde. Grrrr...

Arne ist heute den ganzen Tag zu Besuch, quasi als Teilzeit WG-Mitglied. Im Moment geht er jedoch mit Nora spazieren.

Facebook Junkies :-D


Hier seht ihr Lisa beim allmorgentlichen FACEBOOK-Check. Süchtig. Volle Lotte.
Schöne Blumen









Der Frühstückstisch wartet auf unser Stürmen des Büffets. Nora und Arne sind jedoch noch nicht zurück und uns knurren die Mägen!      






Wir freuen uns tierisch auf den Auftritt von Benoit and the Mandelbrots. Heute muss also noch einiges besorgt werden. Die Theke muss wieder aufgebaut und im Schaufensterraum etwas mehr Platz geschaffen werden, so dass genügend Raum zum feiern und Tanzen bleibt. Yeaaah!

Vielleicht wird auch Kais Text bis heute Abend fertig. Mal sehen... Ansonsten findet die Lesung zur Finissage am Samstag statt. Liebe Grüße nach Wuppertal! :-*

Catina und Lisa sind zum CheckIn gegangen das Leergut abliefern. Heute Abend muss massig Bier getrunken werden, damit auch die anderen Kästen leer werden!

*Spaß mit Arne*


 Zwei sind Freunde geworden. Wie schön. :)





Mittagstief

Die Mädels jammern über das Mittagstief. Es kommen im Moment auch recht seltsame Besucher.


Herrmann

Herrmann ist ein sehr kompetenter Buchberater und Lesestoffdealer. Er besitzt Humor und das Antiquariat in der Marienstraße 9. Außerdem ist er gern Muffins; Kaffee mag er auch. Er hat katholische Theologie studiert, davor jedoch Wirtschaftsethik. Eigentlich mag er überhaupt nicht gefragt werden warum er Herrmann heißt. Ich hab`s natürlich trotzdem gemacht. Ich glaub dahinter verbirgt sich eine gute Geschichte. Das bestätigte Herrmann, vertröstete mich aber auf ein Glas Wein am Freitagabend. Wer seine Geschichte hören möchte kann vorbeischaun...

Ein waschechter Franzose

Deutschland hat Nachbarn. Manche Nachbarn sind Franzosen. Einige Franzosen kommen hierhin, dann werden sie zu Freunden. Freunde sind hauptsächlich Freunde und keine Nachbarn. Ein paar Freunde haben uns geholfen. Dieser Freund hat die Flyer designed.

DANKE Genius!!!

Kais Geschichte

Mit einem gefundenen Handy kann man viel anfangen, besonders mit einem Smartphone und erst recht, wenn es nicht Passwort geschützt ist. Schließlich ist man sofort umfassend informiert: Man kann alle SMS lesen, der Kalender verrät was so los war und was los sein wird, im Telefonbuch sind Bilder von allen, die Facebook-App loggt sich ebenso automatisch - und mit vollem Zugriff auf sämtliche Daten ein wie die Apps von Amazon und Ebay.
Ich habe den Kerl noch nie gesehen, mal abgesehen von den ganzen Fotos, aber ich weiß superschnell mehr als seine besten Freunde.
Ich weiß sogar mehr als Facebook, Ebay und Amazon zusammen.
Welche Filme, welche Geschenke an wen und wie oft, Hobby, Laster, alles locker und leicht direkt vor mir.

Es kann also los gehen.

Zunächst setze ich seinen Beziehungsstatus bei Facebook von "In einer Beziehung" auf "Single".
Schnell kommen Mitteilungen auf verschiedenen Wegen von Freunden die wissen wollen was los ist. Ich beschimpfe sie wüst, weil sie "mich" nie vor "dieser Frau" gewarnt hätten und werfe ihnen bei der Gelegenheit das eine oder andere, dass ich in den SMS und anderen Mitteilungen finden kann vor. Spott über Äußerlichkeiten fällt dank der Fotos im Telefonbuch leicht, bei anderen hilft deren Facebook-Profil.
Ich beginne zu tratschen.
Jede Information und jedes peinliche Foto dass ich finde pappe ich an die passende Pinnwand und auch an "meine".
"Diese Frau" meldet sich per Telefon, ich höre sie schluchzen, sage aber nichts, lege irgendwann einfach auf. Sie ruft wieder an, wird immer wütender, irgendwann nehme ich gar nicht mehr ab.

Per SMS nenne ich "meinen" Chef einen "fetten ekeligen Sack" für den ich nie wieder arbeiten will.

Ich schicke frivole SMS an beliebige Frauen aus dem telefonbuch. Einige beschimpfen "mich", andere finden das gut. Mit letzteren verabrede "ich" "mich" für heute Abend.
Dann beantworte ich die fünfte oder sechste SMS von "dieser Frau", schreibe wir könnten uns heute Abend treffen um noch einmal über alles zu reden. Der Ort ist der gleiche, die haben sich bestimmt alle viel zu erzählen. Sie sagt sofort zu.

"Meinen" Eltern empfehle ich die Scheidung. Sie passen einfach nicht zusammen.

  Da ich weiß wann es genug ist werfe ich das Handy jetzt beim Fundbüro in den Briefkasten. Wieder einer, den ich wohl davon überzeugen konnte wie wichtig Datenschutz ist.

Unser Abend mit Benoit and the Mandelbrots




Heute Abend sind Benoit and the Mandelbrot bei uns zu Gast. Zur Begrüßung gab es eine Textlesung von dem Autor Kai aus W. und dann gings los mit sphärischen Elektrosounds. Zwei Sessions haben die Mandelbrots gebracht. Die erste war ruhig, die Atmosphäre des Raumes abtastend. Die zweite schon offensiver mit zum Teil sehr überaschenden Klangschocks. Wir haben uns sehr gefreut und die Musik sehr genossen!!!

Einige Besucher hatten von unserer Ausstellung und der heutigen Veranstaltungen durch das Radio gehört, aber viele sind auch von der Musik angelockt in unser "Wohnzimmer" gekommen und haben so die Ausstellung erleben können. 

Im Verlauf des Abends wurde von einem Gast unsere analoge Twitterwand gekapert. Er besetzte sie mit Folgendem:


Nur zwei Dinge

Durch so viele Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage-
dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

Gottfried Benn


Viel fanden das Gedicht sehr beeindruckend und sofort begannen heiße Analysegespräche über Sinn und Sollen.



Mittwoch, 25. April 2012

Warum "Der gläserne Mensch" ?


Hintergrund
Als Personen in der Gesellschaft sind wir Träger von Informationen. Wir senden sie pausenlos an die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung. Informationen werden bewusst und unbewusst gesendet, jedoch sagen sie immer etwas über uns aus und setzen das Bild, das man von uns in der Öffentlichkeit hat, zusammen.  Von unserem Gegenüber werden sie genutzt, um uns zu verstehen und einzuordnen.
Wollen wir den Informationsfluss stoppen, so entziehen wir uns einfach der Öffentlichkeit. Das Gesendete verbleibt nun in der Erinnerung. Diese kann verblassen oder sogar vergessen werden.
Wir leben in dem Bewusstsein, dass wir über das Bild, dass andere von uns haben verfügen können. Dass wir uns entwickeln können, Aussagen revidieren und in der Lage sind die Meinungen Anderer ein Stück weit zu beeinflussen.
Dieses Verständnis von Kommunikation mit Anderen tragen wir in soziale Netzwerke – in einen Raum, in dem andere Regeln gelten. Denn jede soziale Community, jeder Anbieter und Inhaber von Rechten stellt seine eigenen Regeln auf.

Digitalen Medien und soziale Netzwerke
Aktion Analog will eben mit diesem Wissen spielen. Das eigene Bett, der heimische Tisch und Stuhl bilden im Atelier 12 die Kulisse für das eigentliche, unsichtbare Exponat: Information.
Information in gewohnter und doch öffentlicher Umgebung. Hier gilt, abgesehen von geltendem Recht, das Hausrecht, ebenso wie in den Social Communitys. Und dieses Hausrecht ist: Alle gesendeten Informationen von Personen innerhalb des Ausstellungsraumes werden für die Öffentlichkeit radikal transparent gemacht. Denn für das WWW gilt:
Gegebene Informationen werden zu Daten. Mit dem Eintritt in die Sphäre der digitalen Medien geraten sie aus dem Kontrollbereich des Users. Der bekannte Satz ,Das Netz vergisst nicht‘, scheint vielen geläufig zu sein. Jedoch ist oft unklar, wie und in welchem Umfang man seine Daten „abgibt“ und wo sie überhaupt landen. Wer verfügt über meine Daten und was geschieht damit?
Fest steht, dass sobald wir den virtuellen Raum betreten Informationen von uns hinterlassen, oder kurzfristig zur Verfügung stellen. Aus technischen Gründen muss Letzteres nicht direkt zu verurteilen sein.
Wie ist es jedoch mit sensiblen, persönlichen Informationen von uns bestellt, die eigentlich nur für einen ausgewählten Personenkreis bestimmt sein sollen? Wird mit den Daten sorgsam umgegangen, sie auch ausreichend bewacht? Fest steht: Es gibt keine sicheren Communities. Die größte von ihnen verhehlt ihre Absichten nicht: Nicht länger „Datenschutzrichtlinien“ sondern „Datenverwendungsrichtlinien“ regeln den Umgang mit den Daten von Facebook-Usern.
Im Netz ist nichts gratis. Für die Nutzung frei zugänglicher Portale wie Facebook, StudiVZ & Co., oder auch Email-Accounts zahlen wir, ohne dass wir es direkt wissen. Denn:

Wir zahlen mit unseren Daten. Wir zahlen mit Information über uns.
Allzu oft setzen wir ganz selbstverständlich ein Häkchen in das „Ich-stimme-zu“-Kästchen von Social Communities, Internet-Shops oder Kundenportalen. Doch sind wir uns dabei bewusst, was mit unseren Daten, unserer Privatsphäre passiert?
845 Millionen aktive Nutzer sind auf Facebook registriert. 78% der Jugendlichen in Deutschland nutzen die Community. Ist es legitim, dass der Konzern jegliche Nutzungsregeln zum Nachteil der Nutzer aufstellen kann? Oder ist das Portal nicht schon längst zu etwas ähnlich einem öffentlichen Gut geworden? Sollten die Nutzer nicht über jegliches Reglement entscheiden?!
Stark bedenklich ist in Bezug auf Facebook ist die gängige Praxis das Adressbuch von angemeldeten nach potentiellen Nutzern zu durchforsten. Emailadressen und Telefonnummern werden so akquiriert und gespeichert, ohne dass die dazugehörigen Personen sich dagegen zu Wehr setzen könnten. Selbst wenn man aus verschiedenen Gründen eine Mitgliedschaft bei Facebook ausschließt, kann man sich dennoch nicht vor der Nutzung und Speicherung seiner Daten retten.
Nicht nur in Bezug auf die sozialen Netzwerke liegen unsere Daten blank. Der Google-Konzern hat seit März seine Richtlinien für die Nutzung der von ihm angebotenen Dienste geändert. Nutzungsgewohnheiten und Inhalte können nun verknüpft, Standorte bestimmt und Telefonnummern erfasst werden. Im Fall von dem Adroid Betriebssystem für Smartphones sogar die privaten Daten von Anrufern.
Angesichts dieser Entwicklungen erheben verschiedene Verbraucherverbände, in einigen Fällen auch die Bundesregierung Klage.

„Der gläserne Mensch. Leben im Schaufenster“ möchte für einen sensibilisierten Umgang mit den eigenen Daten in der digitalen Welt aufmerksam machen, Fragen aufwerfen und die Besucher der Ausstellung zum Denken anregen.




Der Raum
Der Ausstellungsraum des Atelier 12 bildet den Lebensraum der Gruppe. Hier wird gefrühstückt, geschlafen, gearbeitet, gelebt. Die Informationsträger empfangen Freunde und Familie ebenso wie Gäste. Jedoch unter folgender Bedingung: Jegliche Information über die Personen wird transparent gemacht. Den Besuchern wird so ein lockerer, oder fehlender Datenschutz offen sichtlich gemacht. So werden sie Teil der Ausstellung.

Der Eingang
   Ja, ich stimme zu. Hiermit wird der Besucher über der Eingangstür empfangen. Denn er darf die Ausstellung betreten und so selbst zum Medium der Informationen werden, die er der Öffentlichkeit preisgibt. Dies ist das Hausrecht, das auch Social Communities und andere Anbieter anwenden.

Die Statusanzeige
Wie geht es den Bewohnern der Ausstellung? Was haben sie zu sagen? Hier erfährt man es. Natürlich werden sowohl interessante, als auch völlig unbrauchbare und nichtige Informationen preisgegeben.

Die Livevideowand
Der Ausstellungsraum wird mit Kameras aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Die dadurch entstehenden Blickwinkel auf das Raumgeschehen werden direkt in das Schaufenster und den darin befindlichen Empfangsgeräten übertragen.

Die Vernetzungswand
Auf dieser Leinwand entsteht das Zeugnis der Ausstellung. Jeder Besucher trägt sich dort ein und legt offen in welcher Beziehung er zu den vorherigen Besuchern steht. Die sichtbar gemachte Vernetzung der informellen Gruppe von Ausstellungsbesuchern steht für totale Transparenz.
Facebook-Daten werden auf einem Server in Irland gespeichert. Die Speicherung ist nicht begrenzt und unterliegt nicht dem deutschen Datenschutzrecht. Am Ende der Ausstellung, während der Abschlussveranstaltung am 28. April, wird die Leinwand symbolisch für das notwendige Löschen von persönlichen Daten verbrannt.

Der Blog
Unter der-glaeserne-mensch.blogspot.de erweitert die Gruppe den Ausstellungsradius und dokumentiert das aktuelle Geschehen der Ausstellung mit Bild und Text.